| Veranstaltung: | BVV-Wahlprogramm XHain 2026 |
|---|---|
| Antragsteller*in: | Geschäftsführender Ausschuss (dort beschlossen am: 17.03.2026) |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 18.03.2026, 21:43 |
A5: Kapitel 4: Gemeinschaft gestalten – Wie wir füreinander sorgen und leben
Antragstext
Friedrichshain-Kreuzberg ist bunt und weltoffen, manchmal laut und immer
solidarisch. Unser Bezirk lebt von seiner Vielfalt – von Menschen mit
unterschiedlichsten Biografien, Identitäten und Lebensentwürfen. Queeres Leben
ist sichtbar, migrantische Communities prägen das Straßenbild, Kultur entsteht
in Clubs, Ateliers, Theatern und auf der Straße. Friedrichshain-Kreuzberg war
schon immer ein Ort, an dem Freiräume verteidigt und neue Formen des
Zusammenlebens ausprobiert wurden. Engagement, Selbstorganisation und
Nachbarschaft prägen unseren Alltag. Viele bundespolitische Debatten werden hier
früher und intensiver geführt – und vieles, was anderswo abstrakt bleibt, ist
hier konkrete Realität.
Doch Zusammenhalt ist kein Selbstläufer. Steigende Lebenshaltungskosten,
Wohnungs- und Obdachlosigkeit, Suchterkrankungen, psychische Belastungen,
Einsamkeit und die Folgen der Klimakrise treffen viele Menschen unmittelbar.
Gleichzeitig erleben wir einen gesellschaftlichen Rechtsruck, einen Kulturkampf
gegen Vielfalt und die offene Gesellschaft. Statt soziale Strukturen konsequent
zu stärken, setzt der schwarz-rote Senat zunehmend auf Symbolpolitik: Der Zaun
um den Görlitzer Park steht exemplarisch für eine Politik der Verdrängung statt
nachhaltiger Lösungen. Während Millionen in politische Machtdemonstrationen
gegenüber dem Bezirk fließen, kämpfen Trägerorganisationen von Prävention,
sozialer Arbeit, Kultur und Gesundheitsangeboten um ihr Fortbestehen.
Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Gradmesser gesellschaftlicher Entwicklungen –
und zugleich ein Bezirk mit starkem demokratischem Selbstbewusstsein. Für uns
ist klar: Soziale Probleme brauchen soziale Antworten. Hilfe wirkt nachhaltiger
als Druck von oben. Unsere kommunale Infrastruktur – von Sportstätten über
Bibliotheken bis hin zu Clubs und Nachbarschaftseinrichtungen – ist kein Luxus.
Sie bildet die Grundlage für Zusammenhalt, Lebensqualität und demokratische
Stabilität.
Wir verteidigen unsere offene Gesellschaft. Rechtsextremismus und -populismus
sind die größten Bedrohungen für unsere Demokratie. Gegen Rassismus,
Antisemitismus, Queerfeindlichkeit und jede Form von Diskriminierung beziehen
wir klar Stellung. Die AfD steht für völkisches Denken, eine rassistische
Ideologie und die systematische Ausgrenzung von Menschen. Sie ist eine konkrete
Bedrohung für die Menschen in unserem Bezirk. Daher fordern wir ein
Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht gewissenhaft vorzubereiten und
auch tatsächlich einzuleiten.
Friedrichshain-Kreuzberg ist ein Bezirk mit großer sozialer Dynamik – und mit
spürbaren Spannungen. Unterschiedlichste Lebensentwürfe, Einkommenslagen und
Bedürfnisse treffen hier auf engem Raum aufeinander. Urbanes Leben bedeutet
Abwechslung, aber auch Zielkonflikte: zwischen Nachtruhe und Clubkultur,
zwischen Aufenthaltsqualität und Aufwertung, zwischen sozialer Unterstützung und
ordnungspolitischen Maßnahmen, zwischen Nutzung und Schutz von Parks und
Grünflächen.
Viele Herausforderungen lassen sich nur langfristig und nur gemeinsam lösen.
Armut, steigende Lebenshaltungskosten, Wohnungsmangel, Verdrängung von Kultur
und Kleingewerbe, Suchterkrankungen oder psychische Belastungen sind
strukturelle Fragen, die stark von Entscheidungen auf Landes-, Bundes- und
europäischer Ebene abhängen. Der Bezirk ist nicht alleiniger Akteur – aber er
trägt Verantwortung für konkrete Verbesserungen vor Ort.
Gleichzeitig stehen ganz konkrete soziale Einrichtungen, Kulturorte,
Beratungsstellen, Sportangebote und Gesundheitsstrukturen unter erheblichem
finanziellen Druck. Prävention, Gewaltschutz, Integration, Pflege und
psychosoziale Versorgung brauchen aber langfristige Planungssicherheit, eine
verlässliche Finanzierung und klare Prioritätensetzung.
Demokratie verteidigen: Demokratie braucht verlässliche Strukturen im Bezirk.
Wir wollen die bestehende Partnerschaft für Demokratie in Friedrichshain-
Kreuzberg dauerhaft absichern und ihre Fördermöglichkeiten ausweiten.
Initiativen gegen Rassismus, Antisemitismus, antimuslimischen Rassismus,
Queerfeindlichkeit, Ableismus und andere Formen gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit brauchen Planungssicherheit statt kurzfristiger
Projektlogik.
Demokratische Beteiligung stärken wir konkret. Die bezirklichen Beiräte und
Gremien – vom Beirat für Partizipation und Integration bis zum neu geschaffenen
Jugend und Kindergremium – müssen aktiv und frühzeitig in Entscheidungsprozesse
einbezogen werden. Wir setzen uns für niedrigschwellige, mehrsprachige
Beteiligungsangebote ein und unterstützen Initiativen, Vereine und Projekte mit
einer gut ausgestatteten Freiwilligenagentur.
Antidiskriminierungsarbeit strukturell stärken: Wir setzen uns für den Ausbau
unabhängiger Beschwerdemöglichkeiten bei Rassismus und Diskriminierung ein, für
verpflichtende Diversity- und Antidiskriminierungsschulungen für Mitarbeitende
sowie für verbindliche Standards zu Mehrsprachigkeit, Leichter Sprache,
barrierefreier Kommunikation und Gebärdensprachdolmetschen in allen relevanten
Bereichen.
Das Register Friedrichshain-Kreuzberg leistet unverzichtbare Arbeit bei der
Dokumentation diskriminierender und rechter Vorfälle, die wir weiter personell
und finanziell stärken wollen. Ein jährlicher bezirklicher
Antidiskriminierungsbericht soll Entwicklungen sichtbar machen und politische
Konsequenzen ermöglichen.
Rechtsextreme Akteur*innen dürfen im Bezirk nicht normalisiert werden. Wir
werden unsere rechtlichen Möglichkeiten konsequent nutzen, um menschenfeindliche
Aktivitäten im öffentlichen Raum zu begrenzen und antifaschistische sowie
antirassistische Proteste unterstützen, ohne Einschüchterung zu dulden.
Perspektiven und Realitäten anerkennen: Postmigrantische und postkoloniale
Perspektiven gehören zur Realität unseres Bezirks. Wir unterstützen Initiativen
zur Aufarbeitung kolonialer Geschichte, fördern migrantische
Selbstorganisationen und schaffen Räume und Ressourcen für kulturelle und
soziale Projekte von Communities of Color. Den Silvio-Meier-Preis wollen wir als
deutliches Zeichen gegen rechte Gewalt weiter stärken und noch bekannter machen.
Wir stellen uns klar gegen Racial Profiling und die Kriminalisierung von
Menschen ohne sicheren Aufenthaltsstatus. Menschenwürde und rechtsstaatliche
Verfahren gelten für alle. Gleichzeitig widersprechen wir entmenschlichender
Sprache gegenüber marginalisierten Gruppen und treten rechter „Stadtbild“-
Rhetorik entschieden entgegen. Hier ist kein Platz für Kulturkampf gegen queere
Lebensweisen und migrantische Communities!
Solidarität endet nicht an Staatsgrenzen: Wir stehen an der Seite der Menschen
in der Ukraine und unterstützen ukrainische Geflüchtete im Bezirk durch konkrete
Integrations- und Beratungsangebote. Wir schätzen ihre Erfahrungen und
Fähigkeiten und schaffen Räume zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch und Lernen.
Neben den Menschen in der Ukraine sind auch in vielen anderen Regionen der Welt
Zivilistinnen von Gewalt bedroht. Sei es durch staatliche oder nicht staatliche
Akteure. Auch ihnen gilt unsere Solidarität, denn kein politisches Ziel
rechtfertigt Gewalt gegen Zivilistinnen. Wir verurteilen jede Form von
Terrorismus und Einschüchterung gegenüber Zivilist*innen und stellen uns
unmissverständlich gegen die Verbreitung von Hass und Versuche der
Entmenschlichung ganzer Bevölkerungsgruppen. Wir stellen uns entschieden gegen
jede Form von Antisemitismus ebenso wie gegen anti-muslimischen oder anti-
arabischen Rassismus in unserem Bezirk.
Frauenarmut ist auch in Friedrichshain-Kreuzberg Realität – besonders für
Alleinerziehende, ältere Frauen und Frauen mit Migrationsgeschichte. Wir wollen
gezielte Renten-, Trennungs- und Sozialberatung stärken und niedrigschwellige
Lotsenangebote bei Anträgen ausbauen. In Kooperation mit Jobcenter und freien
Trägern sollen Wiedereinstiegs- und Qualifizierungsangebote insbesondere für
Alleinerziehende gezielt gefördert werden. Care-Arbeit muss sichtbar gemacht und
gesellschaftlich aufgewertet werden; pflegende Angehörige brauchen bessere
Beratung und Unterstützung.
Gleichberechtigung braucht auch strukturelle Veränderungen in Politik und
Verwaltung. Mentoringprogramme wie eine „Mitlaufwoche 2.0“ für junge FLINTA*-
Personen wollen wir weiterentwickeln. Kinderbetreuung, hybride Formate und
flexible Sitzungszeiten in der Bezirksverordnetenversammlung sollen politische
Teilhabe von Menschen mit Care-Verantwortung erleichtern. Verwaltung und
öffentliche Einrichtungen müssen geschlechtergerecht und
diskriminierungssensibel arbeiten.
Gewalt konsequent entgegenwirken: Gewalt gegen Frauen, Mädchen und FLINTA*-
Personen hat bei uns keinen Platz. Wir setzen uns für die vollständige Umsetzung
der Konvention ein, welche deren Verhütung und Bekämpfung fordert und solche
Gewalt als Menschenrechtsverletzung anerkennt (Istanbul-Konvention). Wir kämpfen
für die verlässliche Finanzierung von Schutz-, Beratungs- und
Unterstützungsangeboten. Hinweise auf Hilfsangebote müssen in Rathäusern,
Schulen, Jugend- und Gesundheitseinrichtungen selbstverständlich sichtbar sein.
Ein schneller Zugang zu Hilfe – etwa über QR-Codes zu Chat- oder
Beratungsangeboten – kann insbesondere jungen Betroffenen niedrigschwellige
Unterstützung ermöglichen. Schutzräume wie Frauenhäuser und Zufluchtswohnungen
müssen erhalten und bedarfsgerecht ausgebaut werden, ebenso spezialisierte
Angebote für geflüchtete Frauen und queere Geflüchtete. Auch digitale Gewalt,
Hate Speech und Cyberstalking nehmen wir ernst und stärken entsprechende
Präventions- und Beratungsangebote.
Angebote und Sichtbarkeit stärken: Gesundheitsangebote müssen
geschlechtersensibel weiterentwickelt werden. Menstruationsartikel sollen in
Schulen, Jugendclubs, Sportvereinen und öffentlichen Gebäuden kostenfrei
bereitgestellt werden. Öffentliche Toiletten wollen wir inklusiver gestalten und
die kostenfreie Nutzung als Modell prüfen.
Sichtbarkeit im öffentlichen Raum ist ebenfalls Teil feministischer Politik.
Straßen und Plätze sollen weiterhin vorrangig nach Frauen, Women of Colour,
queeren Persönlichkeiten und Widerstandskämpferinnen benannt werden. Bereits
beschlossene Umbenennungen müssen zügig umgesetzt werden. Das
Partizipationsverfahren „Straßennamen für die Vielfalt“ wollen wir transparenter
gestalten und in Kooperation mit dem FHXB-Museum eine digitale
Erinnerungsplattform zur feministischen, queeren und migrantischen Geschichte
des Bezirks entwickeln.
Queers unterstützen: Xhain ist für viele junge queere Menschen aus der gesamten
Welt ein Sehnsuchtsort, in dem sie endlich frei leben können. Das werden wir
verteidigen. Wir setzen uns aktiv für den Schutz queerer Einrichtungen vor
Verdrängung ein. Queere Clubs, Bars, Beratungsstellen, Projekträume und
selbstorganisierte Treffpunkte sind Teil der sozialen und kulturellen
Infrastruktur des Bezirks. Bei Nutzungskonflikten und Standortfragen werden wir
politisch unterstützen und Räume sichern. Die finanzielle Grundförderung queerer
und feministischer Initiativen muss auf Landesebene dauerhaft abgesichert
werden.
Gewalt konsequent entgegenwirken: Gewalt gegen LSBTIQ*-Personen darf nicht
relativiert werden. Wir unterstützen die Weiterentwicklung der Initiative
Geschlechtliche und Sexuelle Vielfalt (IGSV) und eine systematische
Datenerhebung zu queerfeindlichen Übergriffen. Die enge Zusammenarbeit mit
Beratungsstellen und zivilgesellschaftlichen Initiativen ist dabei zentral.
Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit in Schulen, Jugendfreizeiteinrichtungen
und Verwaltung wollen wir stärken.
Arbeits- und Proberäume sind existenziell. Die Kürzungen des
Arbeitsraumprogramms wollen wir zusammen mit der Landesebene zurücknehmen und
wie ursprünglich geplant ausweiten. Der Verdrängung von Kulturorten – ob
Projektraum, Atelierhaus oder Club – treten wir aktiv entgegen. Zur Abfederung
der massiven Erhöhung der Grundsteuer müssen Sonderregelungen für
Kunstschaffende gefunden werden.
Das RAW-Gelände ist ein zentraler Kulturstandort mit überbezirklicher Bedeutung.
Wir setzen uns weiter dafür ein, die kulturelle Nutzung dauerhaft zu sichern und
weitere Kommerzialisierung zu begrenzen. Auch kleinere, selbstverwaltete Orte
müssen geschützt und bei Konflikten mit Investoren oder Nutzungskonflikten
politisch unterstützt werden.
Kulturschaffende unterstützen: Wir setzen uns für eine verlässliche Finanzierung
der freien Szene ein und unterstützen die Wiedereinführung von
Ausstellungshonoraren für unsere kommunalen Galerien. Künstlerische Arbeit darf
nicht von Selbstausbeutung abhängen. Förderverfahren müssen transparent,
niedrigschwellig und planbar sein.
Gemeinschaft stärken: Das FHXB-Museum ist ein wichtiger Ort für die Aufarbeitung
und Vermittlung der Bezirksgeschichte. Wir wollen seine Arbeit stärken und
insbesondere Projekte zur queeren, migrantischen und feministischen Geschichte
weiter ausbauen. Auch queere Kulturorte sind feste Bestandteile der kulturellen
Infrastruktur unseres Bezirks. Daher unterstützen wir den gemeinsamen Neubau des
Schwulen Museums mit dem FHXB-Museum in der Friedrichstraße
Bibliotheken sind Orte der Bildung, Begegnung und sozialen Infrastruktur. Wir
setzen uns für ihre Stärkung, moderne,digitale Ausstattung und barrierefreie
Zugänge ein. Die Amerika-Gedenkbibliothek (AGB) verstehen wir als Haus der Ideen
und als offenen Kultur- und Begegnungsort für den Bezirk. Ihre Weiterentwicklung
muss transparent und gemeinwohlorientiert erfolgen.
Wir wollen die Verhinderung von Wohnungsverlust zur Priorität machen und die
Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Wohnungsnotfälle ausbauen. „Housing
First“-Ansätze und niedrigschwellige Beratungsangebote müssen weiterentwickelt
werden. Ziel ist es, Wohnungslosigkeit zu vermeiden, bevor sie entsteht – und
Menschen schneller wieder in eigenen Wohnraum zu bringen. Unterkünfte müssen
menschenwürdig, barrierefrei und sozial angebunden sein.
Die Mehrheit der obdachlosen Menschen wird durch das sozialgesetzliche
Sicherungssystem nicht erfasst. Sie haben weder Anspruch auf Sozialhilfe noch
Wohngeld. In der Konsequenz sorgen oft einzig soziale Initiativen mit viel
ehrenamtlichem Engagement dafür, dass Menschen einen Schlafplatz und eine warme
Mahlzeit erhalten. Wir setzen uns berlinweit für eine Politik des Helfens statt
des Ignorierens ein.
Im öffentlichen Raum setzen wir auf soziale Unterstützung statt symbolischer
Abschottung. Aufsuchende Sozialarbeit, Straßensozialarbeit und niedrigschwellige
Beratungsangebote wollen wir stärken. Parkläufer*innen und sozialpädagogische
Teams können Nutzungskonflikte entschärfen und vermitteln. Safe Places –
geschützte, niedrigschwellige Aufenthalts- und Unterstützungsorte für besonders
vulnerable Menschen – wollen wir sichern und weiter ausbauen.
Sucht als Erkrankung behandeln: Im Umgang mit Suchterkrankungen setzen wir auf
Gesundheits- und Präventionspolitik. Drugchecking-Angebote und Drogenkonsumräume
sind wichtige Instrumente zum Schutz von Leben und Vermittlung von
Hilfsangeboten. Wir unterstützen ihren Ausbau und eine enge Kooperation mit
Suchthilfe, Gesundheitsdiensten und Sozialarbeit. Reine Verdrängungsmaßnahmen
lösen die Probleme nicht und sind menschenverachtend.
Der Görlitzer Park steht exemplarisch für die Herausforderungen im öffentlichen
Raum. Sicherheit, Aufenthaltsqualität und soziale Unterstützung dürfen nicht
gegeneinander ausgespielt werden. Wir setzen uns für eine integrierte Strategie
aus Prävention, Sozialarbeit, Gesundheitsangeboten, Beleuchtung, Pflege und
Dialog ein – statt für teure Symbolmaßnahmen wie Zäune, die Probleme lediglich
verschieben.
Wir setzen uns für dezentrale Unterkünfte statt großer Massenunterkünfte ein.
Geflüchtete Menschen sollen möglichst schnell in reguläre Wohnungen einziehen
können. Gemeinschaftsunterkünfte müssen menschenwürdig, barrierefrei und sozial
angebunden sein. Besonders schutzbedürftige Gruppen – etwa Frauen, Kinder,
queere Geflüchtete oder Menschen mit Behinderungen – brauchen spezialisierte
Unterstützung. Unbegleitete minderjährige Geflüchtete brauchen gut ausgestattete
Strukturen im Jugendamt. Beratung, psychosoziale Begleitung und Bildungsangebote
müssen verlässlich finanziert sein.
Unterstützungsstrukturen ausbauen: Integrationslots*innen leisten wichtige
Arbeit beim Zugang von Geflüchteten zu Behörden, Bildung, Gesundheit und Arbeit.
Wir wollen ihre Arbeit verstetigen und strukturell absichern. Mehrsprachige
Willkommens- und Orientierungsangebote in Bezirksgebäuden sowie barrierearme
digitale Formulare sollen selbstverständlich werden.
Mitbestimmung ermöglichen: Wir setzen uns weiterhin für das kommunale Wahlrecht
für alle Menschen ein, die dauerhaft im Bezirk leben, und unterstützen Kampagnen
und Beteiligungsformate, die politische Mitwirkung auch ohne formales Wahlrecht
ermöglichen. Auf Bundesebene kämpfen wir für ein Wahlrecht für alle, die ihren
dauerhaften Lebensmittelpunkt in Deutschland haben.
Prävention stärken: Gesundheitspolitik im Bezirk heißt Prävention stärken und
soziale Risiken ernst nehmen. Die Klimakrise ist längst ein Gesundheitsrisiko.
Wir setzen uns für die konsequente Umsetzung einer bezirklichen
Hitzeaktionsplanung ein. Die Streichung der Koordinierungsstelle im
Gesundheitsamt muss rückgängig gemacht werden. Mehr öffentliche Trinkbrunnen,
kühle Orte während Hitzeperioden und besserer Sonnenschutz auf Sportflächen
gehören für uns dazu. Die Ergebnisse des Pilotprojekts zu Sprühnebelanlagen im
Mauerpark wollen wir prüfen und gegebenenfalls auf weitere Standorte übertragen.
Gesundheit ganzheitlich fördern: Sozialpsychiatrische Dienste, Beratungsstellen
und niedrigschwellige Angebote müssen bedarfsgerecht ausgestattet werden.
Einsamkeit und Überlastung sind reale soziale Herausforderungen, auf die der
Bezirk reagieren muss. Die Situation in der Psychiatrie des Urbankrankenhauses
werden wir weiterhin kritisch begleiten und Verbesserungen einfordern. Wir
setzen uns auf Bundesebene für mehr Kassensitze für Psychotherapeut*innen ein.
Das Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung im Bezirk ist ein
wichtiger Baustein. Angesichts steigender Zahlen sexuell übertragbarer
Krankheiten wollen wir die Aufklärungsarbeit ausbauen. Sexualaufklärung und
Beratung müssen niedrigschwellig, diskriminierungssensibel und mehrsprachig
zugänglich sein.
Wir wollen Verwaltungsgebäude, Schulen, Sportstätten und andere öffentliche
Einrichtungen konsequent barrierefrei machen und dazu schrittweise umbauen. Auch
digitale Angebote des Bezirks müssen für alle zugänglich sein – mit leichter
Sprache, Gebärdensprachdolmetschen und barrierearmen Online-Formularen.
Bewegungsfreiheit ermöglichen: Mobilität muss für alle funktionieren. Bei
Kiezblocks und verkehrsberuhigten Maßnahmen denken wir Barrierefreiheit von
Anfang an mit. Sogenannte Doppelquerungen speziell für Menschen mit
Sehbehinderung, ausreichend breite barrierefreie Parkplätze und genügend Platz
zum Ein- und Ausladen von Rollstühlen sind für uns selbstverständlich. Auch vor
öffentlichen Einrichtungen wie Rathäusern, Gesundheitszentren, Schulen und
Sportanlagen müssen ausreichend ausgewiesene Stellplätze entstehen.
Teilhabe ermöglichen: Teilhabe am Arbeitsmarkt ist zentral. Menschen mit
Behinderungen dürfen nicht vorschnell in Werkstätten gedrängt werden. Wir
unterstützen das Budget für Arbeit und Ausbildung sowie den Ausbau von
Inklusionsbetrieben und Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt – auch in der
öffentlichen Verwaltung. Modellprojekte für den Übergang von der Schule in
reguläre Beschäftigung wollen wir im Bezirk voranbringen.
Breitensport stärken: Wir wollen den nicht vereinsgebundenen Breitensport
stärken. Öffentliche Sportflächen, Bolzplätze, Basketball- und Calisthenics-
Anlagen sowie Bewegungsangebote in Parks müssen erhalten, gepflegt und ausgebaut
werden. Offene Sportformate in Kooperation mit Jugendfreizeiteinrichtungen,
Nachbarschaftshäusern und Schulen wollen wir gezielt fördern.
Soziale Stabilität heißt: weniger Verdrängung, mehr Prävention, stärkere
Sozialarbeit und wirksame Hilfe bei Sucht und Wohnungslosigkeit.
Öffentliche Räume bleiben lebendig und solidarisch. Ankommen gelingt
besser durch dezentrale Unterkünfte, verstetigte Integrationslots*innen
und verständliche Verwaltungsverfahren. Teilhabe wird erleichtert.